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Limassol – Wein, Strand und Sonne
Zypern, die drittgrößte Insel im Mittelmeer, nur einen Steinwurf von der Küste Kleinasiens entfernt, war lange ein Sprungbrett von West nach Ost und umgekehrt. Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen haben sich hier, wo Christentum und Islam sich begegnen, jahrhundertelang argwöhnisch beobachtet und immer wieder versucht, die Vorherrschaft zu erlangen. Heute gehören 60 % des Bodens zu der von Griechen bevölkerten Republik Zypern. Die türkischen Bewohner im Norden haben einseitig eine eigene Republik ausgerufen. UNO-Blauhelme überwachen die Grenze zwischen den beiden Teilen – ein Beweis dafür, wie tief das Misstrauen zwischen den verfeindeten Gemeinschaften ist. Davon unangetastet bleiben jedoch die Schönheit der Insel, ihr angenehmes Klima und ihre Gastfreundschaft.

Limassol, von Weingärten und Zitrushainen umgeben, ist ein betriebsarmer, freundlicher Hafen an der Südküste von Zypern und zweitgrößte Stadt der Insel. Von der Politik, die Zypern auseinander gerissen hat, ist nur wenig zu spüren – in der lebensfreudigen Stadt vergeht kaum ein Monat ohne ein Fest. Die Geschichte der Stadt reicht 4000 Jahre zurück; in ihren Anfängen waren die Küstenstädte Amanthus (im Osten) und Kourion (im Westen) viel bedeutender. Der Name Limassol, wohl vom griechischen nemesos, „dazwischen“ abgeleitet, scheint auf diese Lage zwischen zwei mächtigen Nachbarn hinzuweisen.

Lieblingsspiel der Zyprioten Backgammon
Mittlerweile hat Limassol 135.000 Einwohner, während Amanthus und Kourion in Ruinen liegen. An den Boulevards und langen Sandstränden stehen Hotels und Wohnhochhäuser mit üppigem Grün ringsum. In der Stadt selbst konzentrieren sich Handel sowie Wein- und Spirituosenindustrie des Landes.
Limassol ist eine kosmopolitische Stadt, die mit ihren Stränden und dem schwungvollen Nachtleben Besucher aus aller Welt anlockt. Auch die Geschichte ist lebendig – in der alten Burg, in den kleinen Läden rundherum und im großartigen antiken Theater und den römischen Mosaiken von Kourion, malerisch über der Steilküste gelegen. Nicht weit davon wurde Aphrodite geboren, wie die Mythologie berichtet. Der Göttin der Liebe, die aus dem Schaum des Meeres stieg, waren an der herrlichen Südküste Zyperns prächtige Tempel geweiht.

Die Hauptsehenswürdigkeiten von Limassol – die einzige, die die vielen Erdbeben einigermaßen unbeschadet überstanden hat – ist die Burg, nur wenige Schritte vom Hafen und dem alten Zollhaus entfernt. Sie stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert und beherbergt heute ein Mittelalter-Museum; der gotische Große Saal ist restauriert worden. Das darüber liegende Stockwerk mit blitzblanken, fast gemütlich wirkenden Zellen diente als Gefängnis.
Ein Spaziergang durch die umliegenden alten Gassen, in denen Handwerker ihre Werkstätten haben, gewährt einen Einblick in das Limassol des 18.  und 19. Jahrhundert.
Das kleine moderne Limassol-Museum in der Byron Street lohnt seiner archäologischen Schätze wegen einen Besuch.

Der Weinbau ist in Limassol nicht nur ein Wirtschaftszweig, sondern auch Touristenattraktion, und so werden in den Kellereien gleich westlich der Stadt (Keo, Sodap und Etko) interessante und feuchtfröhliche Führungen angeboten.

Südwestlich von Limassol liegt die Halbinsel Akrotiri, die für ihren Salzsee berühmt ist. Dort lassen sich von Oktober bis März gut Flamingos beobachten. St. Nicholas of the Cats ist eine gotische Klosterruine; sie hat ihren Namen von den Katzen, die hier angeblich zur Jagd auf Giftschlangen – in früheren Zeiten eine Plage dieser Gegend – abgerichtet wurden. Von den Gebäuden ist nur die Kirche übrig geblieben; sie ist von Weinfeldern und Orangenhainen umgeben.

Burg Kolossi auf der Westseite der Insel Zypern
Die Burg Kolossi auf der Westseite der Halbinsel ist eine mächtige viereckige Feste aus dem 15. Jahrhundert, die sich aus einer sanft gewellten Landschaft erhebt; die Johanniter hatten schon im 13. Jahrhundert hier einen Turm erbaut. Der Commandaria-Wein, den sie einführten, ist heute noch Zyperns berühmtester süßer Rotwein. Wenn man auf der steilen Wendeltreppe zur Wehrplatte hinaufsteigt, wird man oben mit einer eindrucksvollen Aussicht belohnt.

Wenige Kilometer westlich von Kolossi liegt das antike Kourion eindrucksvoll am Rand der fast 100 Meter hohen Steilküste. Die Gründung der Stadt erfolgte wahrscheinlich im 13. Jahrhundert v. Chr. durch mykenische Siedler. Der Apollokult, der Kourion prägte, trug viel zu seiner Bedeutung bis in römische Zeiten bei. Rechts vom Eingangstor liegt die frühchristliche Basilika. Unter den Ruinen entdeckt man Säulen, Kapitelle und Altarnischen; in den Überresten des benachbarten Bischofspalasts sind noch Spuren von Baptisterium und Taufbecken zu sehen. Das großartige Theater mit weiter Sicht auf Meer und Strand stammt etwa aus den Jahren 50 – 175 n. Chr. Es bietet 3500 Zuschauern Platz. 1961 originalgetreu in Stand gesetzt, wird es nun für Musik- und Theateraufführungen benutzt.

Gleich hinter dem Theater findet man die Überreste der Villa des Eustolios, eines palastartigen römischen Hauses aus dem frühen 5. Jahrhundert n. Chr. Der Eigentümer hatte offenbar ebenso viel Geld wie Geschmack; zum reichen Schmuck der Villa gehören Mosaikfußböden mit stilisierten Vögeln und Fischen, Inschriften mit Bezügen auf den Hausherrn und figürliche Darstellungen von Christus und Apollo. An der Bergseite liegen Überbleibsel römischer Bäder, deren Mittelteil mit Mosaiken geschmückt ist, darunter eins mit einem Rebhuhn, ein anderes mit Ktisis, einer die Schöpfung verkörpernden Gottheit.

Das Heiligtum des Apollo Hylates knapp zwei Kilometer weiter westlich, ist heute nur noch von einigen Pinien und immergrünem Buschwald umstanden. Einst lag es in einem Hain, in dem nicht gejagt werden durfte. Die Kultstätte geht auf das 8. Jahrhundert v. Chr. zurück, doch was noch zu sehen ist, stammt zumeist aus der Zeit um 100 n. Chr. und wurde durch ein Erdbeben im 4. Jahrhundert zerstört. Die rotgoldenen Steinkolonnaden sind nur schwer auszumachen, doch der kleine Tempel mit der monumentalen Treppe und der Säulenhalle ist leicht zu finden.

Etwa 16 Kilometer von Kourion, am Felsen des Griechen, liegt Aphrodites Geburtsstätte. Die großen aus dem Meer ragenden Felsen an der einsamen Küste sind ein lohnender Anblick. Bei Sonnenuntergang ist es hier besonders romantisch, und man kann sich leicht vorstellen, weshalb die Göttin an dieser Stelle aus dem Meer gestiegen sein soll.

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21.05.10