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Khiva - eine Stadt mit traditionellem Handwerk |
06.10. – 07.10.2008 Khiva
Nach zwei Tagen Aufenthalt verließen wir Buchara mit dem Ziel Khiva. Als wir die Baumwollfelder, die sich um Buchara erstrecken, hinter uns gelassen hatten, führte uns der Weg durch die Wüste Kisilkum (Roter Sand), die allerdings nicht völlig vegetationslos ist.
An dieser Stelle möchte ich unseren usbekischen Busfahrern mal ein Riesenlob aussprechen. Anfangs wunderten wir uns, warum bei Tagesetappen von gut 400 km zwei Busfahrer benötigt werden - später wußten wir warum. Die usbekischen Landstraßen haben sehr viele Schlaglöcher, die im Slalom umfahren werden müssen, wenn der Verkehr es zuläßt. Zusätzlich ist auf der Strecke von Buchara nach Khiva die Straße eher eine sandverwehte Teertrasse. Das war auf den Überlandstrecken meistens der Fall. Die beiden Busfahrer haben wirklich versucht, uns nach Möglichkeit um jedes größere Schlagloch herumzufahren oder haben sehr stark abgebremst, wenn ein Ausweichen nicht möglich war. Bei den Reisebussen in Usbekistan handelt es sich zumeist um ausgemusterte europäische Busse. Wir fuhren z.B. in einem alten französischen Bus, der zwar mit einer Bordtoilette ausgestattet war, welche aber schon längst nicht mehr funktionierte. Stellenweise fehlten die Armlehnen und damit die Absicherung zum Gang hin. Glücklicherweise konnten wir uns auf die Klimaanlage verlassen.
In Khiva wohnten wir wieder in einem Malika-Hotel, das direkt gegenüber dem Haupt-Stadttor liegt.
Der Name Khiva leitet sich einer Legende nach von einem Brunnen ab, der bereits in alten Zeiten ein Rastplatz für die Karawanen war. Den Brunnen (den es immer noch gibt) nannten die Reisenden „cheiwak“ = „Oh, wie ist das wohltuend“. Angeblich war Noahs ältester Sohn Sem der Bauherr.
Es soll in Zentralasien keine andere Stadt geben, in der ganze Stadtbezirke so unverfälscht und unbeschädigt erhalten sind. Deshalb gilt die Altstadt von Khiva als ein besonderes Beispiel einer feudalen mittelalterlichen, islamisch geprägten Stadt. Sie ist noch (oder wieder) ganz von einer Stadtmauer umgeben, deren Lehmfarbe sich zu den verschiedenen Tageszeiten verändert und im Abendlicht geradezu glüht. Wenn man durch das Stadttor eintritt, wähnt man sich in einer anderen Welt oder in einem großen Freilichtmuseum. Die Altstadt hat nur geringe Ausmaße, sie erstreckt sich über eine Fläche von circa 400 x 720 m. Innerhalb dieses relativ kleinen Gevierts entfaltet sich aber eine wahrhaft orientalische Pracht. Überall kann man die wunderbare Kunstfertigkeit der früheren Handwerker bestaunen, seien es nun die Fayencen oder die holzgeschnitzten Türen oder die 213 mit Schnitzwerk verzierten Säulen, die in der Dschuma-Moschee die Holzbalkendecke tragen. Aber auch das heutige Khiva hat viel Kunsthandwerk zu bieten und in den Höfen finden sich die unterschiedlichsten Werkstätten.
Besonders beeindruckend fanden wir einen Hof, in dem Seide noch nach traditioneller Art mit Naturfarben gefärbt und dann weiterverarbeitet wird. In einem kleinen, recht dunklen Raum, in dem gerade zwei oder drei im Entstehen begriffene Teppiche an der Wand hingen, saßen dicht an dicht mehrere junge Frauen und knüpften die Seidenfäden in diese Teppiche. Draußen hockte eine Andere auf einem fertigen Teppich und brachte mit einer ganz normalen großen Schere die einzelnen Fäden auf eine einheitliche Florlänge. Ein falscher Schnitt und das wertvolle Stück wäre verdorben gewesen. Viele dieser traditionellen Werkstätten werden vom usbekischen Staat subventioniert, um die alten Handwerkskünste nicht aussterben zu lassen.
Aber während man in Buchara bis zum späten Abend auf den Basaren einkaufen konnte, wurden in Khiva die Bürgersteige gegen 18 Uhr hochgeklappt, wohl eine Folge davon, dass die Altstadt mehr eine Touristenattraktion als ein lebendiges Gebilde ist. Kurze Zeit später lag sie fast verlassen da. Hier finden Sie weitere Fotos zu Usbekistan.
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12.03.09 |
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