|
Venedig - eine Lagunenstadt, die verzaubert |
Venedig ist so häufig bebildert, beschrieben und besungen worden, daß Erstbesucher eigentlich genau wissen, was sie in der Stadt an der adriatischen Küste erwartet. Die Vorstellung über die Lagunenstadt Venedig ist klar verbunden mit den vielen verschachtelten Wasserstraßen, den alten venezianischen Adels- und Patrizierhäusern und den Gondeln mit ihrem Gondolieren.
Venedig, einst ein Handelsimperium über mehrere Jahrhunderte und Sitz reicher Kaufleute, begeistert allerdings nicht nur wegen der Kanäle und der Paläste, die so unwirklich glänzen und bei genauerem Hinsehen eher den Eindruck vermitteln, einer Totalrenovierung unterzogen werden zu müssen. Schließlich ist die Blütezeit der Stadt längst vorbei und die Erosion durch Wind, Meeresbrandung und Niederschläge hat den Häusern ordentlich zugesetzt. Nach dem Niedergang übrig geblieben sind von dem phantastischen Reichtum und der Schönheit u.A. der Dogenpalast und die Piazza San Marco mit dem Dom.
Das eigentliche Stadtgebiet von Venedig, welches seinerzeit auf Millionen von Holzpfählen auf einem Areal aus Schlamm gebaut wurde, ist ca. 7,5 km² groß. Der Grund für diese Bauweise in der Lagune war der Schutzgedanke vor Feinden in einem undurchsichtigen Sumpf. Später wurden die zahlreichen kleinen Inseln mit ca. 450 Brücken verbunden und ergaben somit das Bild einer verwinkelten, labyrinthartigen Stadt mit über 3.000 Gäßchen und 150 Kanälen. Ein Spaziergang bedarf einer guten Orientierung, um nicht plötzlich fernab der Piazza in einer Sackgasse zu landen. Doch wer sich Zeit und eine Karte nimmt, kann stundenlang durch eine lebendige Stadt schlendern, deren architektonische Bauweise beeindruckt und deren Kunstschätze faszinieren. Man steckt mittendrin in einem Zeugnis der Zivilisationsgeschichte und wird mit allen Sinnen in den Bann gezogen.
Beim Venedigbesuch sollte sich auf keinen Fall den Blick von einem der vielen Türme entgehen, denn von oben ist das Panorama einfach ein Highlight. Vom Benediktinerkloster San Giorgio Maggiore sind die Umrisse der Stadt sehr gut zu erkennen, z.B. im Osten die Schiffswerft und ein Stück weiter der Stadtpark Giardini Pubblici. Man sieht die knapp vier Kilometer lange Hauptwasserstraße, den "Canal Grande", der sich wie ein spiegelverkehrtes S durch die Altstadt formt und an dem sich die schönsten Adelspaläste befinden. Die beste Aussicht auf Venedig und deren einmaligen Lage hat man vom "Campanile San Marco" oder auch Markusturm genannt. Der Glockenturm, dessen Bau in die Zeit der Serenissima (Beiname der Republik Venedig, verkürzt aus dem offiziellen Staatstitel "La Serenissima Repubblica di San Marco" übersetzt "Die allerdurchlauchtigste Republik des Heiligen Markus") fällt, ist 98 Meter hoch und gehört zur Hauptsehenswürdigkeit der Stadt Venedig.
Der historische Stadtkern von Venedig besteht aus sechs Bezirken, deren Dutzende Inseln früher wie heute zum Teil einen bestimmten sozialen Nutzen hatten. "Sant'Erasmo" und "Le Vignole" dienten als Gemüseinseln, "Torcello" als Bischofssitz, "San Michele" als Friedhofsinsel oder die Insel "San Clemente", auf der eine Nervenheilanstalt eingerichtet war. Auf der gegenüberliegenden Seite vom Ufer des Dogenpalastes erstreckt sich der schmale Landstreifen "Lido di Venezia", auf dem zahlreiche Hotels und Pensionen zu finden sind. Schon im 19. Jahrhundert entwickelte sich diese Insel zum mondänen Seebad und erlangte in Thomas Manns Literaturklassiker "Tod in Venedig" Weltberühmtheit.
Über 10 Millionen Besucher aus der ganzen Welt suchen Venedig jährlich auf, natürlich auch speziell in der Karnevalszeit, in der sich Hunderte schick verkleidete Venezianer mit Masken, Umhängen und Kopfschmuck den Fotoapparaten der Touristen stellen. Der Karneval, der mit fantasievollen Darbietungen, Theateraufführungen und Feuerwerken gefeiert wurde, erreichte seine größte Pracht zu Lebzeiten Casanovas um 1750. Geblieben ist heute allein die Präsentation der traditionsreichen Verkleidung. Auf eine Konversation mit den "Maskenmenschen" können Sie lange warten. Das Wesen der Einheimischen wird allgemein als unterkühlt und abgebrüht bezeichnet. Das ist kein Wunder, denn die Stadt lebt sehr gut von den Gästen aus aller Welt, die ihr Geld in der Hotellerie, in der Gastronomie oder in den Geschäften lassen. Jeden Tag neue Gesichter und andere Währungen, so einfach lässt sich Geld verdienen, der Service verliert dabei seine Wichtigkeit. Man darf es also nicht persönlich nehmen, wenn einem der Kellner beim Bezahlen der Rechnung kein Lächeln entgegenbringt. Diese Lebensart scheint jedoch bei den jungen Venezianern nicht mehr so hoch im Kurs zu liegen. Die Jugend geht lieber ins Büro aufs Festland oder in eine Großstadt zum Studieren. Durch diesen Trend hat sich die Einwohnerzahl in Venedig in den letzten Jahren stark reduziert.
Empfohlene Sehenswürdigkeiten:
- Campanile di San Marco
- Palazzo Ducale
- Torcello
- Piazza San Marco
- Galleria dell'Accademia
- Museo Civico Correr
- Museo del Settecento Veneziano
- Scuola Grande di San Rocco
- Do Mori
- San Vidal
- Teatro Malibran
| Typisch Venezia:
- Biennale
- Brücke
- Carneval
- Deutscher Pavillon
- Dogenpalast
- Filmfestspiele
- Gondel
- Guggenheim
- Karneval
- Lido
- Markusplatz
- Mestre
- Rialtobrücke
| Literatur/Kultur: (Novelle von Thomas Mann) (komische Operette von Johann Strauß)
|
Das romantische Bild von Venedig scheint wie seine Bausubstanz zu bröckeln und der rasante Fortschritt der Globalisierung an der Lagunenstadt regelrecht vorbeizuwehen. Ob das für die Stadt, deren Boden übrigens um 10 cm in den letzten 20 Jahren absackte, eine positive Entwicklung darstellt, bleibt abzuwarten Hier finden Sie weitere Bilder zu Venedig . |
18.06.08 |
|
|
|