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Eine Reise nach Usbekistan

Als Kind habe ich die Märchen aus 1001 Nacht mit heißen Wangen gelesen; seitdem erweckten Namen wie Samarkand oder Buchara in mir den Wunsch, selbst in diese fremde und geheimnisvolle Welt einzutauchen.

Jahrzehntelang glaubte ich nicht daran, dass dieser Wunsch jemals Wirklichkeit werden würde, weil diese Städte zu einer der Sowjetrepubliken, Usbekistan, gehörten. Doch nachdem Usbekistan und seine Nachbarländer 1991 die Unabhängigkeit erhielten sah alles etwas anders aus. Ende 2007 konnte ich eine Freundin dafür begeistern, mit mir zusammen für den Oktober 2008 eine Studienreise nach Usbekistan zu buchen.



Und wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sich auch für dieses geheimnisvolle Land interessieren, dann lade ich Sie ein, mir an einige Orte der alten Seidenstraße zu folgen.

Zur Vorbereitung dieser Reise beschäftigte ich mich mit dem DuMont Kunstreiseführer „Zentralasien“ von Klaus Pander und mit dem Reiseführer „Usbekistan entdecken“ von Judith Pelz aus dem Trescher Verlag - zurzeit der einzige deutschsprachige Reiseführer, der nur Usbekistan zum Thema hat Beide Bücher kann ich für eine Reise nach Usbekistan empfehlen, wobei der DuMont Kunstreiseführer eher nur begleitend sein kann, während Judith Pelz auch wichtige Allgemeininformationen liefert.

Der Name Usbekistan sorgt hier noch oft für große Augen und die Frage: „Wo ist das denn und was gibt es dort zu sehen?“ Deshalb setze ich an diese Stelle einfach ein paar ungeordnete Gedankensplitter, die zeigen sollen, dass wir es mit einem Land von hoher Kultur zu tun haben.

Goethe besingt in seiner Gedichtsammlung „West-östlicher Divan“ den alten Herrscher Timur und die Städte Samarkand und Buchara in „Timur Nameh“ = „Buch des Timur“ und in „Suleika Nameh“.

Das klingt dann so:
Dir sollten Timurs Reiche dienen,
Gehorchen sein gebietend Heer,
Badakschan zollte dir Rubinen,
Türkise das Hyrkan'sche Meer.

Getrocknet honigsüße Früchte
Von Bokhara, dem Sonnenland,
Und tausend liebliche Gedichte
Auf Seidenblatt von Samarkand.

Wer eine Vorliebe für edle Teppiche hat, wird den Namen Buchara mit ihnen verbinden, obwohl sie nicht dort hergestellt, sondern nur verkauft werden.

Auch die Begriffe Algebra und Algorithmus haben ihren Ursprung im heutigen Usbekistan. Algorithmus wird von dem Beinamen eines berühmten Mathematikers aus dem 8. Jahrhundert abgeleitet: Muhammad ibn Musa al Choresmi und das Wort Algebra entstammt dem Titel eines von ihm verfaßten Buches: Kitab min hisab al-gabr wa’l mulqabala (Rechnen durch Ergänzung und Ausgleich).

Berühmte Dichter, Feldherren, Herrscher, Gelehrte hatten dort ihr Zuhause. Der Arzt Ibn Sina (980-1037), in Europa unter dem Namen Avicenna bekannt, stammte aus einer Ortschaft bei Buchara. Der Herrscher, Gelehrte und Astronom Ulugbek (1394 – 1449) berechnete das Sternenjahr mit einer Abweichung von nur einer Minute. Alisher Navoiy gilt als der Vater der usbekischen Literatur, denn er ersetzte als Erster im 15. Jahrhundert die persische Hochsprache durch das Usbekische.

Auf seinen Namen wird der Reisende immer wieder treffen, weil viele Straßen und öffentliche Gebäude nach ihm benannt sind.

Einer der berühmtesten und grausamsten Herrscher war Timur Lenk (Lenk = der Lahme), auch Tamerlan genannt, ein Mongole und geistiger Nachfahre Dschingis Khans. Er machte seine Hauptstadt Samarkand zu dem, was „das glanzvolle Antlitz der Erde“ genannt wurde.

Die heutige Republik Usbekistan grenzt vom Süden ausgehend im Uhrzeigersinn an Afghanistan, Turkmenistan, Kasachstan, Kirgistan und an Tadschikistan. Sie ist etwas kleiner als Schweden und hat einen Gebirgsanteil von etwas mehr als einem Viertel der Landesfläche. Die höchste Erhebung liegt mit 4299 m im Tienshan, im Osten des Landes.

Die großen kulturellen Zentren der Republik liegen allerdings im Tiefland, in Steppen- und Wüstengebieten, wie Perlen aufgereiht auf einer Schnur, die einmal die große Seidenstraße war und China mit dem Mittelmeer verband.

Fluß Amudarja in der Wüste Kisilkum

Ein Großteil des Landes besteht aus Wüsten, die zum Teil bewässert wurden und nun Baumwollfelder sind. Das wiederum ist ein Grund für die Tragödie des Aralsees, der auch zu einem Teil zu Usbekistan gehört und immer mehr austrocknet. Denn um den Boden zu entsalzen und zu bewässern, wurde dem Amudarja, einem ehemals riesigen Strom, das Wasser abgegraben. Übriggeblieben ist nur noch ein kleines Rinnsal, das den Aralsee gar nicht mehr erreicht. So sank der Wasserspiegel des Sees, der einst der viertgrößte (mittlerweile achtgrößte) See der Erde war, zwischen 1960 und 1996 von 53,4 auf 36,9 Meter. Die Fläche verkleinerte sich von 67.388 auf 33.300 Quadratkilometer. Das Land versalzt, die Menschen verarmen und die Umwelt stirbt.

Usbekistan wurde bereits im 9. vorchristlichen Jahrhundert von den Sogden besiedelt, die ihre Hauptstadt im heutigen Samarkand hatten, damals Marakanda oder Afrosiab. Später kamen die Perser, dann Alexander der Große, die Parther, die Hunnen, die Sassaniden, die Türken, die Chinesen und letztendlich die Araber und mit ihnen der Islam, der im Wesentlichen den Baustil geprägt hat.

Denkmal von Amir Timur in seiner Geburtsstadt Shaxrisabz

Nach langen wechselvollen Jahrhunderten eroberte Dschingis Khan Zentralasien und zerstörte die Städte. Und 1336 war das Geburtsjahr Timurs, der ein großer und grausamer Eroberer wurde und dem Land seinen Stempel aufprägte, den man noch heute allenthalben in den Baudenkmälern und in der Kunst finden kann.

Noch im 19. Jahrhundert geriet das Land unter russische Vorherrschaft und in dessen Folge unter die Herrschaft der Sowjets. 1991 erreichte Usbekistan und seine Nachbarländer die Unabhängigkeit und eine große Aufbautätigkeit begann, vor der man mit Staunen steht, wenn man auf alten Bildern die berühmten Bauwerke noch als Ruinen sieht. Politisch ist das heutige Usbekistan eine Diktatur, in der die Menschenrechte keinen hohen Stellenwert haben.

Usbekistan ist von der Bevölkerungsstruktur her ein junges Land, mehr als 60 % sind jünger als 25 Jahre, und es ist sich seiner Verantwortung für die Bildung der Jugend bewußt. Noch um 1900 lag die Quote der Analphabeten bei 88 %, heute ist Analphabetismus kein Thema mehr. Bei 25 Millionen Einwohnern gibt es fast 10 000 allgemeinbildende Schulen und 40 Hochschulen mit rund 300.000 Studierenden, dabei beträgt die Frauenquote ungefähr 35 %.

Und nun möchte ich Sie auf unsere Reise mitnehmen.
Hier finden Sie weitere Bilder zu Usbekistan.

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